Update vom 23. Februar 2015

Hiermit möchten wir uns zum Statement der Forschungsgruppe Black Knowledges vom 08.02.2015 (siehe http://www.bbs.uni-bremen.de/) sowie zu den per e-Mail ergangenen Antworten von Prof. Dr. Sabine Broeck vom 06.02., 08.02., 11.02. und 13.02.2015 äußern:

 

• Wir begrüßen grundsätzlich die Auflösung der Forschungsgruppe Black Knowledges. Allerdings verstehen wir diesen Schritt lediglich als einen symbolischen Akt. In Anbetracht der Strukturen, die am und über den Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften (FB 10) der Universität Bremen bereits etabliert worden sind, ist fraglich, ob die bloße Auflösung einer Studiengruppe tatsächlich mittel- und langfristige Konsequenzen zeitigen wird. Dies insbesondere, da uns von dieser Seite weder weitere Überlegungen noch Maßnahmen angekündigt wurden (vgl. Forderungskatalog im Community Statement: „Black“ Studies an der Universität Bremen). Die Frage nach grundsätzlichen Veränderungen und Konsequenzen stellt sich auch und vor allem mit Blick auf augenfällige institutionelle und personelle Überschneidungen. Zu nennen wären hier exemplarisch: das Institut für postkoloniale und transkulturelle Studien (1. Sprecherin: Prof. Dr. Sabine Broeck) sowie der wissenschaftliche Verbund The Collegium for African American Research (Präsidentin: Prof. Dr. Sabine Broeck), dessen Aktivitäten über das Institut koordiniert werden.

 
• Unsere Kritik an der personellen Zusammensetzung und konzeptionell-inhaltlichen Ausrichtung der Black Bremen Studies bzw. der Forschungsgruppe Black Knowledges ist nicht neu. Sie wurde bis dato jedoch entweder intern bzw. innerhalb überschaubarer Kontexte oder aber von Einzelpersonen geäußert und ist von den Verantwortlichen in Bremen intransparent kommuniziert und nicht ernstgenommen worden. Davon zeugt exemplarisch das „Mission Statement“ der Studiengruppe Black Knowledges (einzusehen unter http://www.bbs.uni-bremen.de/?page_id=131), die ihre kritischen Ansprüche auf der epistemologischen Ebene sowie auf der Ebene der gesellschafts- und wissenschaftspolitischen Praxis zwar mit Nachdruck erklärt, aber nicht umgesetzt hat.

 
• In den persönlichen Antworten von Prof. Dr. Sabine Broeck wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass es weder ein dezidiertes Programm oder Budget noch eine finanziell/institutionell unterstützte Forschung und/oder Struktur gäbe. Dies trifft, selbst aus hochschulpolitischer Sicht, nur sehr bedingt zu. Bekanntlich ist die Abwesenheit materialisierter Strukturen – etwa eines eigenen Institutes oder Forschungszentrums – keinesfalls gleichzusetzen mit der Abwesenheit von immateriellen Strukturen, Netzwerken und Ressourcen. Letztere existieren sehr wohl und sind in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut worden. Dennoch sind – auch lange vor Antragstellung – von institutioneller Seite keine aktiven Schritte unternommen worden, um Schwarze Forscher_innen und Aktivist_innen, die nicht aus den USA kommen, in einen kontinuierlichen gleichberechtigten Austausch einzubinden oder ein Gefüge zu schaffen, in dem Schwarze Studierende ihre Interessen repräsentiert finden.

 
• Wir haben die Reflexionen und Erklärungsversuche von Prof. Dr. Sabine Broeck zur Kenntnis genommen. Dies gilt ebenso für die von ihr am 06.02. 2015 per e-Mail in überraschend familiärem Ton geäußerte Zustimmung zur „Idee einer öffentlich geführten Diskussion über eure Forderungen“ und das Angebot, „dafür Raum und Zeit (z.B. für einen Workshop) an der Uni Bremen“ zur Verfügung zu stellen (siehe http://www.bbs.uni-bremen.de/wp-content/uploads/2015/02/ResponseToComStatement_Feb2015.pdf). Wir weisen an dieser Stelle deshalb noch einmal darauf hin, dass unser Schreiben nicht dazu dient, die darin enthaltenen Forderungen zur Diskussion zu stellen. Unsere Forderung besteht vielmehr darin, dass „strukturelle Fragen und ethische Verletzungen des Proposals öffentlich und transparent zur Diskussion gestellt werden“ (siehe Community Statement). Bezüglich der Frage von Prof. Dr. Sabine Broeck, ob es mit Blick auf die inhaltliche Ausgestaltung möglich wäre, „[…] dass sich eine Gruppe eurerseits bilden könnte, die sich dann mit uns bezüglich Planung abspricht?“, möchten wir aus einem an sie gerichteten Kommentar unserer schwedischen Kollegin Ylva Habel zitieren:

„I think it would be ill-advised to reduce the present white appropriation of Black Studies to an object for future debate. Since when did ‚debate’ become the preferred tool in struggles for social change? This is downright insulting to all parties involved. Is the given and legitimate participation of well-merited scholars within a Black studies framework to be placed within a framework of ‚A Theatre of Opinions’?“

(Facebook, Bremen Black Studies – Home, 2015)

Darüber hinaus ist zu fragen: Welchen wissenschaftlichen Nutzen beziehen Schwarze Forscher_innen und Aktivist_innen aus einem solchen Arbeitstreffen? Wer sind – angesichts der hochschulpolitisch exponierten Position, der institutionellen Funktionshäufung und der konkreten forschungspraktischen Aktivitäten von Prof. Dr. Sabine Broeck sowie angesichts des auffälligen Schweigens der anderen, namentlich adressierten involvierten Personen – tatsächlich kritisch positionierte Ansprech- und Diskussionspartner_innen? Inwiefern kann vor diesem Hintergrund eine von einer einzelnen Person artikulierten und aus derzeit verständlichen Gründen „für gut befundene“ Diskussion dazu beitragen, personell bereits vor-gegebene gate-keeping positions sowie konzeptionell und inhaltlich bereits vor-strukturierte gate-keeping practices zu unterminieren?

 
• Wir möchten uns bei Yasemin Karakaşoğlu, Konrektorin für Internationalität und Interkulturalität, für ihre vorläufige Überlegung bedanken (Email vom 08.02.2015):

„Was die Anregung zu einer öffentlich abzuhaltenden Debatte anbelangt, sehe ich in der seit nunmehr zwei Jahren etablierten, universitätsweiten Veranstaltungsreihe ‚Diversity @ Universität Bremen. Exzellent und chancengerecht ?!’, die als Teil der Umsetzung unserer Diversity-Strategie von uns eingeführt wurde, einen geeigneten Rahmen, sich im kommenden Semester mit rassistischen Strukturen an unserer Universität in einem für alle offenen Forum offensiv auseinander zu setzen. Für weitere Ideen, diesen Prozess gemeinsam weiter zu entwickeln, bin ich dankbar.“

Da wir inzwischen eine Antwort vom Konrektorat erhalten haben, werden wir mit Blick auf den spezifischen universitären Kontext der Universität Bremen wie auch mit Blick auf die Notwendigkeit einer bundesweit zu führenden hochschulpolitischen Diskussion unsere Forderungen konkretisieren, bereits existierende Netzwerke kritischer Wissenschaftler_innen in Deutschland einbeziehen und in den nächsten Wochen weiterführende Ideen und Vorschläge vorstellen.
Wir sind der Ansicht, dass in organisatorischer und planerischer Hinsicht ein Ansatz verfolgt werden sollte, der nicht erneut zu einer Absorbierung Schwarzen Widerstandswissens im asymmetrisch hierarchisierten akademischen Kontext beiträgt.

 

Berlin, Hamburg, Chicago, Februar 2015
present_tense

 

Diese Kommunikation wird von uns öffentlich geführt, da sie institutionelle Strukturen betrifft. Wir behalten uns vor, dieses Anschreiben sowie Antworten zu Zwecken der Dokumentation, Lehre und Aufklärung zu veröffentlichen.

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